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Bildung und Religionsunterricht als Fundamentalismusprävention?
Vortrag von Friedrich Schweitzer, 08. November 2019

Religiöse Bildung im Rahmen von Schule und im Kontext konfessionellen Religionsunterrichts – kann das eine Möglichkeit der Fundamentalismusprävention sein? Dieser hochaktuellen Frage ging der renommierte und international bekannte evangelische Religionspädagoge Friedrich Schweitzer (Universität Tübingen) im Rahmen eines inspirierenden Vortrages an der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz nach. Konzipiert als Kooperationsprojekt zwischen der Fakultät, der Bildungsdirektion Steiermark und der KPH Graz konnten sich die Veranstalter*innen über großes Interesse und einen voll besetzten Hörsaal freuen.

Zu Beginn der Auseinandersetzung stand die Warnung vor einer simplifizierenden Patentlösung – zu heterogen sei die empirische Befundlage, als dass eine solche „one fits all“-Lösung tatsächlich in der schulischen Praxis funktionieren könnte. Als zielführender – das zeigten die Ausführungen des Referenten dann ganz klar – erweist sich die differenzierte Auseinandersetzung mit der nuancenreichen Verwendung des Begriffs „Fundamentalismus“ in Geschichte und Gegenwart, die Analyse seines Programms als Antwort auf Modernisierungsprozesse und -verwerfungen sowie die Einsicht in die vielschichtigen Ursachen, warum – vor allem – junge Menschen durch fundamentalistische Weltdeutungen verführbar werden. Erst auf einer solchen Basis kann dann Schule als ein Ort von Fundamentalismusprävention gedacht werden: In hohem Ausmaß geht es im schulischen Kontext darum, exkludierenden Marginalisierungserfahrungen entgegenzuwirken, einen Raum von Anerkennung zu schaffen und junge Menschen sensibel und kundig dabei zu begleiten, einen konstruktiven Umgang mit gesellschaftlicher wie religiös-weltanschaulicher Vielfalt zu entwickeln. Zu einer solchen Pluralitätsfähigkeit kann dann auch der Religionsunterricht seinen Beitrag beisteuern, ist doch seine zentrale Aufgabe die religiöse Bildung: Von daher bietet er Kindern und Jugendlichen Lebensorientierung/en an, erklärt sie in ihrer Genese und in ihrer Bedeutung für die Menschen der Gegenwart und übt den reflexiven Umgang mit diesen ein. Es ist diese Begleitung von Kindern und jungen Menschen hin zu einer selbstverantworteten, auch prinzipienorientierten Positionierung im vielfältigen religiösen Feld, die – in Kooperation mit anderen Akteuren der Präventionsarbeit – vorbeugend und stärkend gegen fundamentalistische Versuchungen wirken kann.

In einer an den Vortrag anschließenden, angeregten Diskussion gingen die Teilnehmer*innen in Resonanz zu diesen Inhalten, konnten sie nochmals gemeinsam vertiefen und auf andere Felder – Elementarpädagogik, Ethikunterricht, religiöse und nicht-religiöse Weltanschauungen – hin durchdenken. Resümee: Eine zugleich bestärkende wie anregende Veranstaltung, die ein wichtiges Thema richtungsweisend aufnahm und bearbeitete.

Fotos: Theologische Fakultät/JuliaBrunner

Bericht: Renate Wieser

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