Newsletter Flaschenpost - Religion

Interview mit Magdalena Pucher

1. Liebe Magdalena, viele unserer Flaschenpost-Leser*innen kennen dich noch nicht. Was möchtest du ihnen über dich und deinen Weg in die Religionspädagogik erzählen?

Mein beruflicher Weg begann zunächst in der Privatwirtschaft. Der Wunsch, Lehrerin zu werden, war aber schon lange da – zu diesem Zeitpunkt für mich nur noch nicht umsetzbar.
Während der Karenzzeit mit meinen Kindern wurde ich von mehreren Seiten auf die Ausbildung an der PPH aufmerksam gemacht. Irgendwann war für mich klar: Jetzt ist die richtige Zeit dafür.
So begann ich berufsbegleitend die Ausbildung zur Religionslehrerin, unterrichtete zunächst in der Volksschule und später am BORG Spittal. Heute kann ich Erfahrungen aus unterschiedlichen Schulstufen verbinden und freue mich auf meine neue Herausforderung.

2. Du bist neu im Team: Welche Themen liegen dir besonders am Herzen, und was möchtest du in deiner Mitarbeit einbringen?

Mir ist wichtig, nahe an der schulischen Praxis und an den Fragen der Student*innen und Religionslehrer*innen zu bleiben. Mich interessieren neue methodische und digitale Zugänge ebenso wie die Frage, wie religiöse Bildung lebensnah, dialogisch und zugleich theologisch fundiert gelingen kann.
Ich möchte meine Erfahrungen aus Primar- und Sekundarstufe einbringen, gemeinsam Neues entwickeln und Raum für Austausch und unterschiedliche Perspektiven schaffen.

3. Du hast bei der Sommerbildung bereits einen Workshop zu KI und Religionsunterricht gestaltet. Im März folgt deine Fortbildung „Religionsunterricht neu denken – Mit KI kreativ, dialogisch und produktiv arbeiten“. Was fasziniert dich an diesem Thema, und welche Möglichkeiten möchtest du den Kolleg*innen eröffnen?

Mich fasziniert, wie schnell sich Künstliche Intelligenz entwickelt und Schule bereits verändert. Für mich geht es weder um unkritische Begeisterung noch um grundsätzliche Ablehnung, sondern darum, KI zu verstehen und verantwortungsvoll einzusetzen.
Gerade der Religionsunterricht bietet dafür spannende Möglichkeiten. KI kann bei Planung, Differenzierung oder kreativen Unterrichtsideen unterstützen und gleichzeitig Fragen nach Menschenbild, Verantwortung, Wahrheit oder Schöpfung eröffnen. In meinen Fortbildungen möchte ich Mut machen, selbst auszuprobieren, kritisch zu reflektieren und herauszufinden, was für den eigenen Unterricht wirklich hilfreich ist.

4. Hast du ein konkretes Beispiel, wie KI den Religionsunterricht in der Primar- oder Sekundarstufe bereichern kann?

Ein Beispiel ist die Arbeit mit biblischen Texten. Schülerinnen und Schüler lesen zunächst selbst einen Bibeltext und lassen ihn anschließend von einer KI aus der Perspektive einer Nebenfigur erzählen. Danach wird verglichen: Was steht tatsächlich im Text und was hat die KI ergänzt oder erfunden?
So verbindet sich ein kreativer Zugang mit Medienkompetenz. Die Schülerinnen und Schüler lernen, KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen. Je nach Schulstufe reicht das vom einfachen Perspektivenwechsel bis zur theologischen Textanalyse.

5. Wo siehst du Grenzen beim Einsatz von KI – gerade wenn es um persönliche Glaubensfragen, Sinnsuche und Beziehung geht?

KI kann Impulse geben und unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen, aber keine echte Beziehung ersetzen. Religionsunterricht lebt für mich von Begegnung, Vertrauen und persönlichen Gesprächen.
Bei Fragen nach Leid, Tod, Glauben, Hoffnung oder Sinn braucht es Menschen, die zuhören, Unsicherheit aushalten und wirklich in Beziehung treten. KI sollte deshalb Werkzeug und manchmal auch Gesprächsgegenstand sein – aber niemals den zwischenmenschlichen Dialog ersetzen.

6. Abseits von Unterricht und digitalen Welten: Wobei schöpfst du Kraft und Energie?

Vor allem bei meiner Familie und in der gemeinsamen Zeit. Wir sind gerne draußen, ich arbeite gerne im Garten und finde dort einen guten Ausgleich zum oft dichten Alltag.
Eine weitere große Leidenschaft ist die Fotografie. Seit knapp zehn Jahren bin ich als Fotografin tätig. Besonders gefällt mir, besondere Momente und echte Begegnungen einzufangen – aufmerksam hinzuschauen und den Augenblick wahrzunehmen.

7. Welche Ermutigung möchtest du Kolleg*innen mitgeben, die beim Thema KI neugierig sind, aber noch zögern?

Man muss nicht sofort alles können und schon gar nicht jedes neue Tool kennen. Mein Rat wäre: klein anfangen. Eine konkrete Frage stellen, eine Unterrichtsidee ausprobieren oder sich bei einer Planung unterstützen lassen – und danach überlegen, was tatsächlich hilfreich war.
KI-Kompetenz bedeutet für mich nicht, möglichst viele Programme zu beherrschen. Wichtiger ist, neugierig zu bleiben, kritisch zu denken und selbst zu entscheiden, wann der Einsatz einen Mehrwert bringt. Gerade Religionslehrer*innen bringen dafür gute Voraussetzungen mit: Wir sind es gewohnt, Fragen zu stellen, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten und Antworten kritisch zu hinterfragen.