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Vortragende Der Sommerschule im Festsaal der PPH Augustinum

Mensch bleiben im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Ökumenische Sommer.Bildung 2026 an der PPH Augustinum

Wie verändert Künstliche Intelligenz unser Verständnis vom Menschen? Und wie lässt sich KI so einsetzen, dass sie dem Leben und der Bildung dient? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Ökumenische Sommer.Bildung 2026 an der Privaten Pädagogischen Hochschule Augustinum in Graz. Unter dem Titel „Mensch bleiben: Künstliche Intelligenz – im Dienst des Lebens?“ kamen am 7. und 8. September katholische und evangelische Religionspädagog*innen zusammen, um Chancen, Herausforderungen und ethische Fragen rund um Künstliche Intelligenz zu diskutieren und für den Religionsunterricht zu reflektieren.

Vom Turmbau zu Babel zur künstlichen Intelligenz

Die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel erwies sich dabei als erstaunlich aktuelle Folie. Menschliche Kreativität, Erfindergeist, Zusammenarbeit und Gestaltungskraft gehören zur menschlichen Berufung. Problematisch wird es dort, wo aus dem Können ein Anspruch wird und das technisch Machbare automatisch als sinnvoll und erstrebenswert gilt.

Generative KI kann heute Texte verfassen, Bilder erzeugen, Musik komponieren, übersetzen und recherchieren. Je leistungsfähiger die Systeme werden, desto dringlicher stellt sich daher die Frage, was wir ihnen überhaupt überlassen wollen.

Im Impulsvortrag von Sonja Gabriel (KPH Wien/Niederösterreich) wurde diese Spannung besonders deutlich. Generative KI habe zwar kein eigenes Menschenbild, reproduziere und stabilisiere jedoch Vorstellungen vom Menschen, die in Daten, Modellen und Nutzungskontexten angelegt sind. Umso wichtiger sei die Unterscheidung zwischen dem, was KI leisten kann, und dem, was einen Menschen ausmacht.

Besonders eindrücklich war Gabriels Hinweis: Statistische Plausibilität ist kein Wissen. KI berechnet wahrscheinliche Ausgaben, weiß aber nicht im menschlichen Sinn, ob etwas wahr, sinnvoll oder verantwortbar ist. Prüfung, Einordnung und Verantwortung bleiben daher beim Menschen.

zweiteiliges Bild: Vortragend im Festsaal, ein Blick in das Publikum

Bildung muss die großen Fragen wachhalten

Für den Religionsunterricht bedeutet das mehr als die Frage, wie ChatGPT und andere KI-Anwendungen sinnvoll eingesetzt werden können. Die Ateliers der Sommer.Bildung reichten deshalb von „ChatGPT & Co im Unterricht“ über KI-generierte religiöse Lieder und Bilder bis zu Fragen nach KI und Religion, Social Media und Extremismus sowie KI-Influencer*innen.

Im Zentrum steht eine grundlegende Bildungsaufgabe: Menschen sollen lernen, KI-Ausgaben kritisch zu prüfen, Bias und Normalitätsvorstellungen zu erkennen, Interessen und Machtstrukturen zu hinterfragen und Verantwortung nicht an Systeme abzugeben.

Denn Mensch bleiben heißt nicht, auf KI zu verzichten. Es heißt vielmehr, nicht alles zu delegieren, was technisch delegierbar ist: Was wollen wir selbst entscheiden? Was wollen wir selbst können? Wofür wollen wir selbst Verantwortung tragen?

Gerade darin liegt eine besondere Aufgabe religiöser Bildung. Sie muss nicht auf jede technische Entwicklung eine fertige Antwort haben, kann aber jene Fragen wachhalten, die kein Algorithmus für uns beantworten kann: Was ist Wahrheit? Was ist Freiheit? Was macht ein gutes Leben aus? Und was ist der Mensch?

Die Ökumenische Sommer.Bildung machte damit deutlich, dass Künstliche Intelligenz nicht nur eine technische, sondern auch eine ethische und anthropologische Herausforderung ist. Technischer Fortschritt und menschliche Verantwortung gehören zusammen – damit der Mensch auch im Zeitalter der KI im Mittelpunkt bleibt.

Bilderreigen: © Sonntagsblatt | Gerd Neuhold

Christian Brunnthaler, Karin Mandl